Bericht zur Netzwerktagung PLAIN und Einfache Sprache 20.-21.11.2020

Kennenlernen und Austauschen

Im digitalen Zeitalter ist gottseidank vieles möglich – zum Beispiel ein vor Ort in Tübingen geplantes Barcamp innerhalb weniger Tage als Netzwerktagung online bringen.

Das haben wir gemacht und es war ein Erfolg!


PLAIN DACH

Am ersten Tag (Freitag, 20.11., von 14-17 Uhr) haben sich etwa 10 Mitglieder von PLAIN (Plain Language Association International) getroffen um sich darüber auszutauschen, ob es sinnvoll sein könnte, eine deutschsprachige Regionalgruppe von PLAIN zu gründen. Diese könnte PLAIN DACH heißen, für Deutschland, Österreich und Schweiz, wohl wissend, dass auch noch in anderen europäischen Ländern Deutsch gesprochen wird.

Als Ergebnis der sehr fruchtbaren und anregenden Diskussion haben wir festgehalten, dass wir die Gründung einer solchen Regionalgruppe gut finden. Diese hat bisher die folgenden Ziele:

  • Das Image der Einfachen Sprache verbessern
  • Aktive Lobbyarbeit für Einfache Sprache betreiben
  • Den Entstehungsprozess des ISO-Standards und der DIN-Norm für Einfache Sprache kritisch begleiten
  • Über Literatur zum Thema informieren, auch solche in anderen Sprachen
  • Interdisziplinarität der Beteiligten fördern
  • Austausch und Vernetzung untereinander fördern

Um über die genannten Themen zu informieren, nutzen wir vorläufig das von Sabine Manning ins Leben gerufene Infoportal zur Einfachen Sprache, Portal Einfach (portaleinfach.org). Hier können Meldungen, Termine und Blogbeiträge veröffentlicht werden.

Wir haben auch darüber diskutiert, welche Form PLAIN DACH haben soll. Zunächst soll es ein mehr oder minder loses Netzwerk sein, das die Möglichkeit gibt, sich gegenseitig kennenzulernen und frei zu entscheiden, wie viel Engagement man einbringen möchte. Prinzipiell können wir uns aber durchaus vorstellen, eines Tages einen Verein zu gründen, um die Dinge in geordnete Bahnen zu lenken. Ein Verein hat den Vorteil, dass wir Spenden sammeln können und dass eine juristische Person entsteht, über die wir geschäftlich aktiv werden können.

Die nächsten Schritte:

  • Gemeinsam überlegen, wie wir die Ziele erreichen, die wir in der Sitzung erarbeitet haben
  • PLAIN DACH bekannter machen, besonders unter den Mitgliedern von PLAIN
  • Grenzübergreifende Zusammenarbeit aufnehmen, dafür wünschen wir uns noch ein paar Aktive aus Österreich.

Networking-Tag

Am zweiten Tag (Samstag, 21.11., 14-17 Uhr) fand ein offenes Networking-Treffen statt, ebenfalls online. Über eine Moodle-Plattform konnten die Teilnehmenden im Vorfeld Fragen einreichen, über die sie sich mit den anderen austauschen wollten. Nach einer ausführlichen Vorstellungsrunde der knapp 20 Teilnehmenden ging es in die erste Gesprächsrunde, wobei jedem Gruppenraum ein bestimmtes Thema zugeordnet war. Die Teilnehmenden tauschten sich sehr lebendig unter anderem über diese Themen aus:

  • Image der Einfachen Sprache verbessern
  • Digitalisierung bzw. Künstliche Intelligenz (KI) und Einfache Sprache
  • Einfache Sprache für die interne Kommunikation von großen Unternehmen
  • Das vierte Thema ergänze ich, sobald es mir wieder einfällt ????

Insgesamt gab es zwei Gesprächsrunden, zwischendurch hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, den Gruppenraum und somit das Thema zu wechseln.

Ein paar Ergebnisse möchte ich hier kurz skizzieren.

Einige Teilnehmende arbeiten beispielsweise schon daran, Einfache Sprache in großen Unternehmen zu verankern. Sie arbeiten dabei in den Bereichen Arbeitssicherheit, betriebliches Gesundheitsmanagement, aber auch im Bereich Kommunikation. Als externe Dienstleister bieten sie in den genannten Bereichen Kurse und Materialien in Einfacher Sprache an. Eine Teilnehmerin macht die Erfahrung, dass die Verfahrensanweisen oder sonstigen Materialien manchmal besser akzeptiert werden, wenn man nicht „Einfache Sprache“ drauf schreibt, sondern dem Ganzen einen schmissigen Namen gibt.

Um das Image von Einfacher Sprache weiter zu verbessern, muss man sich zunächst einige Fragen stellen. Beispielsweise, warum man hierzulande immer noch als kompetent gilt, wenn man sich kompliziert ausdrückt und wie wir das ändern können. Eine Möglichkeit könnte ein Science Slam in Einfacher Sprache sein. Eine weitere Frage ist: Mit welchen Zielgruppen sollen wir konkret beginnen und wie kommen wir an diese heran? Möglichkeiten sind beispielsweise Sozialarbeiter*innen, LEA-Leseclubs oder die EUTBs.

Digitalisierung und Einfache Sprache passen gut zusammen und zwar in verschiedener Hinsicht. So gibt es schon einige Tools und Webseiten, die es einem ermöglichen, den Schwierigkeitsgrad von Texten zu überprüfen. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Übersetzungstools für Einfache Sprache auf den Markt kommen. Ob wir diese als Unterstützung akzeptieren oder als Gefahr für unseren Broterwerb wahrnehmen, können wir selbst entscheiden. Hier habe ich nur einen Aspekt von einigen herausgegriffen, über die wir uns unterhalten haben.

Neben den inhaltlichen Themen tauschten wir uns auch darüber aus, wie wir über dieses Treffen hinaus in Kontakt bleiben wollen. Fürs Netzwerken und für fachliche Themen nutzen wir die LinkedIn-Gruppe von PLAIN und eventuell auch die Xing-Gruppe Einfache Sprache. Wichtig war dabei, Vorhandenes zu nutzen und möglichst wenig Extra-Strukturen aufzubauen. Die Moodle-Plattform bleibt zwar über die Tagung hinaus für die Teilnehmenden erhalten, es soll aber keinen Zwang geben, dort dabei zu sein. Genauso wichtig ist es uns, dass wir keine Konkurrenzveranstaltung zum sich gerade etablierenden Netzwerk Einfache Sprache sein wollen. Einige Tagungsteilnehmende sind im Netzwerk Einfache Sprache aktiv und möchten eine Zusammenarbeit fördern.

Die drei Stunden vergingen wie im Flug und als eine Teilnehmerin darauf hinwies, dass es bereits Viertel vor fünf sei, fragen wir uns erstaunt: „Wer hat an der Uhr gedreht …?“

In der Runde am zweiten Tag haben wir beschlossen, dass wir uns im Frühjahr (März/April) wieder treffen wollen. Wahrscheinlich auch wieder online, da es vielen Personen die Teilnahme ohne großen Aufwand ermöglicht.

Auch zum nächsten Treffen lade ich wieder ein – es war mir ein Vergnügen, eure Gastgeberin zu sein.


Herzlichen Dank!

Herzlichen Dank an alle, die dabei waren! Ohne euch hätte die Veranstaltung gar nicht stattgefunden. Ihr ward super und es hat viel Spaß gemacht mit euch.

Vielen Dank für euer tolles Feedback, über das ich mich sehr gefreut habe.

Vielen Dank an Hannah und Melinda vom Vorstand von PLAIN. Hannah hat mich die letzten Monate bei der Vorbereitung begleitet und Melinda setzt sich künftig im Vorstand für die regionale Entwicklung ein. Sie ist also unsere direkte Ansprechpartnerin, wenn es um PLAIN DACH geht.

Herzlichen Dank an meinen wunderbaren Co-Moderator Johannes Freyer, Geschäftsführer der Cowork-Group. Er hat uns durch die zwei Nachmittage begleitet und die professionelle Ausstattung des Open Innovation Campus in der Westspitze Tübingen zur Verfügung gestellt.

Zurück